Die andere deutsche Küste – Brackgewässer Ostsee

Als echte Nordsee-Liebhaber verschlägt es uns nur sehr selten an die andere deutsche Küste. Was die meisten Ostsee-Urlauber meiden, fasziniert uns jedes Jahr aufs Neue: der Lebensraum Watt, die salzige Luft, rauhe Wetterwechsel und großräumige Schutzgebiete für Flora und Fauna, die nur mit Ferngläsern bewaffnet bestaunt oder auf schützenden Bohlenwegen durchquert werden können. Doch dieses Jahr war für meine Mama und mich mal wieder ein Kurztripp an die Brackwasserküste fällig, denn die Steilküsten dort sind einfach perfekt für das stundenlange Herumstreifen auf der Suche nach schönen Graniten und Gneisen, Sand- und Kalksteinen, Hühnergöttern (Feuersteine mit Löchern), Donnerkeilen und anderen Fossilien. Absolut nichts für Dirk, deswegen ist er zu Hause geblieben mit den Worten: „Mach nicht wieder Dauerfeuer mit der Kamera, nur weil ein Vogel seinen Kopf bewegt.“ *räusper*

Wir haben uns für Heiligenhafen entschieden, weil es dort außer dem langen Steilküstenabschnitt auch noch ein großes Vogelschutzgebiet unter NABU-Aufsicht gibt – den Graswarder in Sichtweite zur Fehmarnsund-Brücke. Da der Artenreichtum im offenen Gewässer der Nordsee sowie die Brut- und Rastplätze am Wattenmeer bedeutend größer sind, gingen wir bezüglich der Ostsee-Tierwelt ohne große Erwartungshaltung auf Streifzug. Erfreulicherweise haben wir – zwar in geringer Anzahl, aber immerhin – alte Nordseebekannte getroffen: Austernfischer und Küstenseeschwalben, die sich dank der steten Bemühungen des NABU, die Touristenströme auch an der Ostsee in nachhaltige Bahnen zu lenken, dort wieder wohlfühlen. Und wir haben auch neue Bekanntschaften gemacht: In der Nähe der Steilküste gibt es eine naturbelassene Weidelandschaft für Belted Galloways. Diese extrem schönen Rinder sind uns bislang noch nirgendwo begegnet. Außerdem haben wir erstmals aus nächster Nähe Mittelsäger angetroffen – küstenbewohnende Entenvögel, die auf das Tauchen spezialisiert sind und ebenso wie Reiherenten einen Federschmuck am Hinterkopf tragen. Abends haben wir fangfrischen Angeldorsch als Steak oder Filet verspeist, und in der kleinen Ladenzeile von Heiligenhafen haben wir eine Näh- und Stoffboutique entdeckt, wo wir uns mit einem tollen Taschenschnittmuster und passenden Stoffen eingedeckt haben. Gestern genäht, heute einsatzbereit, ein tolles Souvenir – neben dem riesigen Steinhaufen und den unzähligen Fotos natürlich. Für ersteres suche ich noch Präsentierplatz im Wohnzimmer, für letzteres hat Dirk schon Platz auf dem Server gemacht.