Flugkünstler

Bis dahin hatte ich nur eine kleine Vorhut gesichtet, aber seit letztem Donnerstag (16.05.) sind die Mauersegler endlich wieder in gewohnter Anzahl aus dem Süden zurück. Als ich vom Sport kam, stand ich erstmal minutenlang völlig begeistert mit dem Kopf in den Nacken gelegt in der offenen Fahrertür und guckte ihnen bei ihren rasanten Flugmanövern zwischen den Häusern in unserer Straße zu. Irgendwann tat diese Haltung dann doch zu dolle weh, daher bin ich in Windeseile die Treppen hoch, habe Sport- und Handtasche in den Flur geschmissen und unsere Dachfenster aufgemacht. Die nächste Stunde bin ich von Raum zu Raum ihren Schreien gefolgt, habe zusammengehörende Pärchen anhand ihrer wilden Verfolgungsjagden identifiziert und zwei Paarungen beobachtet (ich vermute jedenfalls, dass das Auffliegen des Verfolgers auf den Vorausfliegenden mit anschließendem Taumeln des kurzzeitig verknäulten Paares im Mai eben dieses bedeutet). Falls sie ihre Brutplätze vom letzten Jahr beziehen, dann piepst es in 2-3 Wochen wieder total süß, wenn wir bei geöffnetem Fenster frühstücken. Irgendwann hat Dirk meinen Begeisterungsrufen ein Ende bereitet mit der Ansage: „Lass uns jetzt (unausgesprochenes „endlich“) mal abendessen, die sind bestimmt noch bis September hier bei uns.“
Recht hat der Mann.

Am Freitag morgen habe ich vor lauter Zuneigung zu den Flugkünstlern zuerst meine NABU-Mauersegler-Brosche an meinen Blazer geheftet, um dann festzustellen, dass ich vor Begeisterung vergessen hatte, meine Sporttasche auszupacken, Wäsche zu waschen und die Tasche neu für den Freitag-Sportkurs zu packen. So kam ich ordentlich ins Rotieren bei dem Vorhaben, die Tasche vorm Neupacken auszulüften, meine Kompressionsstrumpfhose zu waschen, zu trocknen und mich anschließend hineinzubefördern, beim Zusammensammeln der Sportsachen für Freitagabend nichts zu vergessen, zu frühstücken und pünktlich im Büro zu sein.

Vorm Einsteigen ins Auto habe ich trotzdem nochmal hochgeguckt. Soviel Zeit muss sein.