Storchenküken

Letztes Jahr haben wir am 01. Mai vier winzige Storchenküken-Köpfe in einem Storchenhorst am Ilkerbruch entdeckt und waren dann bis Juli etwa alle zwei Wochen dort, um zu beobachten, wie die Kleinen größer und größer und schließlich flügge geworden sind. In diesem Jahr ist die Natur durch die langanhaltende Kälte 2-4 Wochen im Verzug. Als es dann endlich wärmer wurde, haben sich die Störche zwar fleißig gepaart und auch Eier gelegt, aber dann kamen die sintflutartigen Regenfälle im Mai, so dass viele Küken erfroren oder ertrunken sind. Erfroren, weil die Eltern mit ihrem durchweichten Gefieder nicht genug Wärme spenden konnten, wie uns im NABU Artenschutzzentrum in Leiferde berichtet wurde. Ertrunken, weil Störche zum Teil Plastiktüten oder anderen Müll als Nistmaterial in ihre Horste einbauen, wodurch das Regenwasser nicht abfließen kann – letzteres hat ein Storchenexperte in einem Fernsehbeitrag berichtet. Wie traurig! Es gibt in diesem Jahr also weitaus weniger Küken als im letzten Jahr und die meisten sind jetzt Anfang Juni noch winzig. Wir konnten letztes Wochenende welche in Leiferde beobachten, da es dort recht tief liegende und dadurch gut einsehbare Horste gibt.

Im sehr hohen Horst am Ilkerbruch haben wir gestern ein kleines Köpfchen gesichtet. Als wir ankamen, flog gerade Papa Storch mit Nistmaterial im Schnabel an, lud das Zeug im Nest ab, schnäbelte kurz mit seiner Liebsten und begann emsig mit Renovierungsarbeiten, sobald Mama Storch zwecks Futterbeschaffung abgeflogen war. Als dann das Küken mit offenem Schnabel den Kopf hochstreckte, besann er sich auf das Wesentliche, würgte die mitgebrachten Leckereien ins Nest, verschluckte sich dabei anscheinend an einem etwas größeren Brocken, verrenkte ein paarmal mit offenem Schnabel den Hals nach hinten und vorne und würgte nochmals. Dann wurde endlich gefüttert und anschließend weiter renoviert. Gefieder putzen wurde ganz kurz als lästige Pflicht abgehandelt. Den Großteil der Zeit guckte er liebevoll runter auf den Nachwuchs und genoss die Sonne. Als das Lütte plötzlich wieder fordernd den Hals hochreckte, würgte er nochmals Futter hervor und da kam auch schon Mama Storch vom Beutezug wieder. Freudiges Klappern, kurzes Schnäbeln, dann machte er den Abflug. Bei ihr sah die Reihenfolge so aus: erst Würgen, danach ausgiebiges und langanhaltendes Gefieder-Putzen, dann Dekorieren – will sagen, Stöckchen am Horst zurechtzupfen und einiges an überflüssigem Material über Bord werfen. Woran wir unterscheiden, wer das Männchen und wer das Weibchen ist? Am Schnabel natürlich, woran denn sonst?