Flügge Störche

Wir waren heute auf unserer Standard-Storchenroute unterwegs: Ilkerbruch – Leiferde (NABU Artenschutzzentrum) – Meinersen. Fast alle Jungstörche sind jetzt flügge. Der eine oder die andere muss noch ab und an von einem Elternstorch durch dichten Horst-Überflug mit aufforderndem Klappern animiert werden, tatsächlich auf den Nestrand zu balancieren, die Schwingen aufzuklappen und todesmutig über den Rand zu kippen, aber wer es wagte, segelte dann auch äußerst anmutig über uns hinweg. Landungen wiederum sehen bei den meisten noch ziemlich kippelig aus. Wer doch beharrlich im Nest hocken blieb, hechelte bei der derzeitigen 30°-Hitze vor sich hin und hoffte, dass ein Elternteil vielleicht doch noch einmal Futter ins Nest würgt. Aber die Chance darauf ist wohl eher gering, schließlich müssen die Kleinen bald in den Süden fliegen. Abschließend waren wir noch im Localino in Meinersen das beste Eis der ganzen Region essen.

Trauriger Nachtrag vom 31.07.: Das leere Nest im Ilkerbruch, das wir am 21.07. zuerst mit dem Gedanken „toll, die sind schon flügge“ quittiert hatten, hat bei uns doch ein merkwürdiges Unruhegefühl hinterlassen. Die zwei Jungstörche dort waren später geschlüpft, als der jetzt fleißig mit Flug- und Landeübungen beschäftigten Leiferder-Storchennachwuchs und wir haben die beiden auch nicht (so wie letztes Jahr die vier im Ilkerbruch-Horst aufgezogenen Jungstörche) auf den angrenzenden Wiesen gesichtet. Unsere Gedanken kreisten in den letzten Tagen immer wieder um die Ilkerbruch-Küken, zumal im NABU Artenschutzzentrum Leiferde auch wieder mehrere Jungstörche aufgenommen wurden. Ich versuchte also herauszufinden, woher die neu in Pflege genommenen Störche kamen, allerdings hatte ich keine Chance einen Pfleger zu erwischen. Gestern hat sich die nette Sekretärin dann durch die Karteikarten mit den Daten der Störche geblättert und mir verraten, dass Mitte Juli zwei Jungstörche vom Wolfsburger Storchenbeauftragten Herrn Fiedler gebracht worden waren. Und leider hat sich unser ungutes Gefühl bestätigt: Ein Telefonat mit Herrn Fiedler ergab, dass die beiden tatsächlich aus „unserem“ Horst mittels Feuerwehrleiter herausgeholt wurden. Der Grund: Die Störchin wurde von einem Spaziergänger tot aufgefunden. Herr Fiedler wurde informiert und hat beobachtet, dass der erst zwei Jahre alte Altstorch keine Anstalten machte, seinen Nachwuchs zu füttern und somit anscheinend alleine seiner Vaterrolle nicht gewachsen war. Vermutlich wären die Küken verhungert oder sogar von einer eventuellen neuen Partnerin „über Bord gekippt“ worden. Die Feuerwehr war eh bestellt, da die Küken beringt werden sollten und so wurde aus der Markier- eine Rettungsaktion. Woran die Störchin verendet ist, untersucht derzeit ein Veterinär. Traurig. Zum Glück geht es den Kleinen in Leiferde prima. Ihr junger Vater wird sich hoffentlich bald in eine andere Störchin verlieben und mit ihr im nächsten Jahr das Nest erneut besetzen.