Fehlkäufe

Bevor ich mit 24 Jahren endlich kapiert hatte, dass ich einen sehr, sehr blassen Teint besitze und meine Wangen nicht etwa sprichwörtlich rot sondern vielmehr rosa bis pink anlaufen, habe ich mit Vorliebe Orange (DLRG-Vergangenheit!), Rot, Weiß, Olive, Khaki und Brauntöne getragen. Immerhin habe ich grün-braune Augen… Dass ich bei meinem Hautton damit einfach nur – nunja- frisch gekalkt bis frisch erkrankt aussehe, kann ich heute noch mit vielen Fotos beweisen. Insofern ist die Bilanz an Fehlkäufen zwischen 16 und 24 Jahren aufgrund eines grundsätzlichen Irrtums aus der Statistik zu streichen. In dem Monat, in dem ich mich inspiriert von einer Typberatung im Bekanntenkreis farblich von warm-herbstlich zu kalt-winterlich umorientiert habe, musste ich Berge von falschfarbigen Klamotten zur Diakonie und richtigfarbige (Blau, Türkis, Lila, Pink, kräftiges Rosa, kräftige Grüntöne kombiniert mit Schwarz oder Dunkelgrau) im Schrank unterbringen. Nach dieser finanziell desaströsen aber komplimentetechnisch absolut aufbauenden Zeit war die Liste meiner Fehlkäufe recht überschaubar:

  • Ein Günstig-Pulli mit 15% Angora sowie ein sauteurer Kaschmir-Pulli (beides laut Etikett im Wollwaschgang waschbar): Um die letzten Flusen loszuwerden, musste die Waschmaschine 10x ohne Inhalt gespült und die Wohnung 20x durchgesaugt werden.
  • Eine Warenhaus-Hausmarke-Jeans aus hyperneuem Bi-Stretch-Material sowie eine Strickjacke aus einer Sylter Edelboutique: Trotz Feinwäsche ist beides auf halbe Größe zusammengekruschelt.
  • Je ein Sport-T-Shirt von einem für Billigklamotten bekannten Kaufhaus sowie von einer hochpreisigen Sportmarke: Nach 3x Training und 3x 40°C-Sportwaschgang völlig verzogene Nähte.
  • Hosenkauf ohne Mama und ohne Dirk und dann an eine Verkäuferin geraten, die einfach alles „ganz entzückend“ findet: So bescheuert war ich auch nur einmal.

Diese missglückten Beutezüge sind alle schon sehr lange her und offensichtlich war es mal wieder an der Zeit: Gestern habe ich mich in meiner Lieblings-Boutique in ein nicht wirklich günstiges Shirt mit Schwanen-Print verguckt. Als Hobby-Ornithologin bin ich ja quasi zwangsläufig anfällig für Vogelmotive, so dass die genaue Begutachtung von Etiketten dann im Begeisterungsüberschwang schonmal wegfällt. Bei der Vorbereitung für die Wäsche fiel mir heute ein Schild sowie ein kleiner Plastikbeutel in die Hände:

Liebe Kundin, die dekorative Schmückung auf diesem Kleidungsstück wurde in Handarbeit aufgenäht. Falls beim Tragen oder Waschen einige Elemente abfallen, nutzen Sie bitte die beigefügten Ersatzelemente. Beachten Sie bitte die Pflegeanleitung!

„Falls“ ist so ein Begriff, der mir definitiv zu schwammig ist. Also habe ich die Handarbeit durch vorsichtiges Zupfen überprüft, woraufhin die Hälfte der dekorativen Schmückung abfiel. Tragen oder Waschen käme also eher nicht in Frage. Ich grübelte eine halbe Stunde lang, ob ich das (Alb-)Traumshirt reklamiere – da mit Sicherheit alle Teile dieser Kollektion ebenso gearbeitet sind, hätte das einen Verzicht auf das schöne Stück (Schwanen-Motiv!) bedeutet. Was macht Maren? Eine Stunde lang dekorative Schmückung annähen! Dabei schimpfen und fluchen, wie manipulierbar ich eigentlich bin und wie leicht die Modeindustrie offensichtlich Begehrlichkeiten bei mir wecken kann. Grrr. Die Krönung wäre, ich würde mir in der Kantine Tomatensauce auf den Schwan plempern, müsste das dann zwangsläufig noch einen halben Arbeitstag eintrocknen lassen (kann ja schlecht im BH vor den Kollegen rumspringen, weil das Shirt in kaltem Wasser einweicht) und das Teil wäre ruiniert…

Zu allem Überfluss habe ich heute auch noch Karten für das Feuerwerk der Turnkunst 2015 gekauft und hinterher festgestellt, dass ich bei einem anderen Kartenverkäufer bessere Plätze für weniger Geld bekommen hätte. Was soll ich sagen – auch eine Art von Fehlkauf. Wir wollen heute in ein Restaurant gehen, dass wir noch nicht kennen. Ich fange an zu zweifeln, ob das so eine schlaue Idee ist, denn aller guten Dinge sind doch drei, oder?