Reisebericht Nr. 1: Vancouver

Im März war ich zum zweiten Mal dienstlich in Vancouver. Nachdem mir die Langstreckenflüge und der 9-tägige Verzicht auf meine Lympha Press im letzten August recht gut bekommen waren, hatte ich dieses Mal keine Bedenken, für 10 Tage zu fliegen. Mich plagt schon ein wenig das schlechte Gewissen meinen Kollegen gegenüber, die mit zumeist zwei Wochen Reisezeit effizienter unterwegs sind, aber die 10 Tage im März haben mir ganz deutlich meine körperliche Grenze aufgezeigt. Trotz viel Bewegung nach Feierabend und am Wochenende taten meine Beine irgendwann so weh, dass ich nur noch nach Hause wollte und Mühe hatte, nicht vor Kollegen und Projektpartnern verzweifelt loszuheulen, als die Lufthansa plötzlich Streiks ankündigte. Zum Glück kam ich planmäßig zurück. Außer erfolgreicher Arbeit bleiben mir von dieser Reise drei Dinge in Erinnerung:

1. Ein Besuch im Vancouver Aquarium im Stanley Park bei Regenwetter am Samstag. Ich bin stundenlang zwischen den riesigen Becken im Innenbereich und mit Schirm bewaffnet auch im Außengelände herumgelaufen. Besonders faszinierend fand ich die farbenprächtigen Quallen und die Belugas. Passend dazu war ich abends mit den Kollegen in Yaletown Sushi-Essen und habe beim Bestellen darauf geachtet, dass der Fisch das „Ocean-Wise“-Logo vom VC Aquarium für nachhaltige Fischerei trug. Lecker!

2. Ein ganztägiger Spaziergang bei sonnigem Wetter am Sonntag: Vom TELUS World of Science am False Creek ging ich den Seawall Richtung Granvielle Island entlang und beobachtete Wassersportler und Kanadagänse. Auf etwa halber Strecke veranlasste ein Specht etliche Spaziergänger, Inlineskater und Radfahrer zum Anhalten, weil er oben auf einer Metalllaterne sitzend einen Heidenlärm veranstaltet hat. Immer wieder klopfte er hochfrequent „drrrrrrrrrrr“ auf das Metall, guckte dann nach links und rechts, und klopfte weiter. Eine Joggerin kommentierte „Silly wood-pecker, he wants to be called metal-drummer“. Ich hatte den Verdacht, dass er ein Weibchen anlocken wollte. Immerhin war schönstes Balzwetter. Nach einem Besuch der Markthallen und einer Galerie mit Kunst der First Nations auf der Halbinsel Granville Island habe ich den False Creek mit einer kleinen Personenfähre überquert und auf dem Seawall komplett Stanley Park umrundet. Angehalten habe ich – klar- um diverse Vögel zu beobachten, einen Mittagssnack im Teahouse einzunehmen und um einem Künstler zuzuschauen, der Steine aufeinander ausbalanciert hat. Schwer zu beschreiben, aber dafür gibt es Fotos in der Galerie „Stadtansichten“. Ich hatte nämlich dieses Mal unsere Canon mit. Abschließend bin ich dann noch kreuz und quer durch Downtown gelaufen und habe zahlreiche Hochhäuser fotografiert. Imposant!

3. Meine Leidenschaft für Federvieh kam bei einem Kantinenbesuch bei unserem Projektpartner zur Sprache. So erhielt ich die Information, dass im Stadtteil Burnaby, wo unser Hotel war, zahlreiche Reiher (Great Blue Heron) auf einer Baumgruppe nisten. Also habe ich mir am letzten Abend die Kamera geschnappt und ca. eine Stunde lang völlig fasziniert zugeschaut, wie diese riesigen, langbeinigen Vögel mitten im dichten Geäst ihre Nester ausbessern, sich lautstark um die besten Stöckchen oder Partner streiten, sich putzen, sich gegenseitig mit dem Schnabel kraulen und sich paaren. Fantastisch!