Serielle Ärgernisse

Häufig passieren Dinge ja serienmäßig – vor allem die ärgerlichen. Ein ganz klassisches Beispiel sind „defekte Haushaltsgeräte“: Beim Zubereiten der Nudelsoße bricht ein Griff der Knoblauchpresse ab und während wir uns noch fragen, was wohl dem Ruf der Serie nachfolgen wird, stellt die Kaffeemaschine den Betrieb ein. Logischerweise machen zwei noch keine Serie, also beäugen wir in den kommenden Tagen misstrauisch unseren restlichen Hausrat und freuen uns nebenbei über die schnelle Lieferung der bestellten Kaffeemaschine trotz Vorweihnachtszeit und Post-Betriebsversammlung. Die neue Kaffeemaschine zeigt ihre Aktivität mit einer orangen LED an. Diese LED hat nach 3 Wochen keine Lust mehr auf diese öde Aufgabe. Auch klar, dass wir eine Woche zuvor den Karton entsorgt hatten… Vorgestern riss noch der Schlauch vom Staubsauger. Nun reicht es aber auch wieder: 4 sind völlig ausreichend für eine Serie!

Eine andere 4er-Serie namens „Bäckereien in BS“ begann 2014 in meinem Sommerurlaub, als ich öfter mal auch unter der Woche frische Brötchen auf den Frühstückstisch bringen wollte. Bei uns herrscht morgens Arbeitsteilung in genau drei Varianten: Dirk macht Frühstück, während ich in meiner Lympha Press liege – oder ich mache Frühstück, während Dirk noch schläft – oder Dirk macht Frühstück, während ich zum Bäcker gehe. Heißt also auch: Wenn ich nicht zum Bäcker gehe, gibt es Toast. Okay, zurück zum Bäcker in meinem Sommerurlaub. Montagmorgen 5 Minuten nach Öffnung der Filiale gibt es die Brötchen noch nicht, die wir am liebsten essen. Das ist merkwürdig, denn ich habe sonst samstags oft das Problem, dass sie schon weg sind. Da heißt es immer, ich müsse halt früher aufstehen. Im Sommer wochentags also die neue Erkenntnis: Zu früh ist auch schlecht. Dienstagmorgen 20 Minuten nach Öffnung sind sie noch im Ofen und ich müsste noch 10 min warten. Ich sage: Das ist ja, als würde Edeka öffnen und die Käsetheke und die Getränkeabteilung wären noch geschlossen und würden erst im Halbstundentakt danach zugänglich sein. Was soll man als Kunde da anfangen? Bei 10 Brötchen im Sortiment müssen doch zur Ladenöffnung auch alle 10 Sorten verfügbar sein! Die Antwort: Es wurde zwecks Personalkostenreduzierung die morgendliche Backzeit in den Filialen gekürzt, so dass die Brötchensorten nacheinander in den Verkauf kommen. Da helfe nur Vorbestellung, dann würden die Bleche entsprechend bestückt werden. Interessantes Konzept und wahnsinnig kundenfreundlich…

Brot kaufen wir in einer anderen Bäckerei (bio und aus vollem Korn, lecker!). Während ich irgendwann im Herbst die Papiertüte mit dem Brot in meiner Tasche verstaue, beobachte ich, wie die Verkäuferin von der Kundin nach mir einen fleckigen Beutel, an dem kurze schwarze Haare (Hund, Katze?) kleben, über die Theke hinweg entgegen nimmt und ihn dort ablegt, wo sonst das Gebäck vorm Einsortieren in die Papiertüten hingelegt wird. Schlagartig wird mir schlecht. Ich bin ja auch für die Vermeidung von Verpackungsmüll, aber doch nicht so! Ich frage die Verkäuferin, ob sie das hygienisch findet und werde prompt von der Kundin angeranzt. Dabei fallen mir ihre ranzigen Haare und Klamotten auf und ich verlasse fluchtartig den Laden, um das dreckigen Elend nicht länger sehen zu müssen. Abends schildere ich das Erlebte in einer E-Mail an die Bäckerei und erhalte gleich am nächsten Morgen eine Entschuldigung als Antwort: Mitgebrachte Behältnisse von Kunden haben absolut nichts im Warenbereich zu suchen. Wenn Kunden auf die Papiertüten verzichten wollen, dann muss die Ware auf der Kundenseite der Theke übergeben werden. Diese Regelung werde in jeder halbjährlichen Betriebs-Hygieneunterweisung vor den Mitarbeitern gepredigt und man werde mit der Verkäuferin umgehend ein Gespräch führen.

Im Winter kam dann Nr. 3: Bei einer anderen Filiale der Bäckerei aus Nr. 1, die sich praktischerweise vorne im Edeka befindet, möchte ich mal wieder unsere Lieblingsbrötchen kaufen. Erfreulicherweise liegen sie in zwei Reihen bereit, leider ist die eine Reihe so dunkel, dass ich an runde Briketts denken muss. Ich bestelle 4 Stück, aber bevor ich hinzufügen kann „von den hellen bitte“, verschlucke ich mich an meinem Bollchen und bekomme einen Hustenanfall, der mich zunächst am Weitersprechen hindert. Hustend und mit tränenden Augen beobachte ich beruhigt, wie die Verkäuferin mit der Zange drei helle Exemplare angelt, doch leider erwischt sie danach ein Brikett. Sie kruschelt die Tüte oben zusammen, legt sie auf die Theke und verlangt den üblichen Betrag. Ich räuspere mich mehrmals, bevor ich endlich herausbringe: „Das letzte Brötchen ist mir zu verbrannt, würden Sie das bitte gegen ein helles austauschen?“. Sie starrt mich ausdruckslos an, kruschelt die Tüte wieder auf und späht erst mit einem Auge, dann mit beiden in die Tüte, lacht hell auf, und tut ein helles hinein, ohne zuvor eines herauszuholen. Dabei sagt sie: „Das letzte war eh vorbeigefallen, hihi.“ Verwirrt lege ich das Geld in die Schale. Als ich Edeka verlasse, werfe ich einen Blick nach rechts hinter die Bäckereitheke. Dort kickt die Verkäuferin gerade das vorbeigefallene Brikett in die Ecke hinter sich. Ich nehme mir vor, ab sofort immer einen Blick in die Brötchentüte zu werfen, bevor ich gehe.

Genau das habe ich gestern gemacht: Ich bezahlte, nahm die Brötchentüte, kruschelte sie auf und spähte hinein. Da ranzt mich die eben noch so freundliche Verkäuferin an: „Was glauben Sie denn, was ich Ihnen da eingepackt habe?“ Mir blieb der Mund offen stehen. Wo ist eigentlich Madame Schlagfertigkeit, wenn man sie braucht?