Reisebericht Schottland – Äußere Hebriden

Im August 2015 haben Mama und ich an einer Wanderstudienreise organisiert von Studiosus teilgenommen. Reiseziel waren die Äußeren Hebriden, jeden Tag standen 1-2 Wanderungen mit ca. 2-3 Stunden Dauer auf dem Programm. Das Besondere an dieser Reise war, dass wir nicht die überlaufenen touristischen Ziele bereist, sondern entlegene unberührte Gegenden erwandert und Sehenswürdigkeiten besichtigt haben, wo auf den Parkplätzen gerade einmal Platz für unseren Reisebus war. Unsere im Folgenden beschriebene Reiseroute könnt ihr auch in der Galerie „Schottland“ nachverfolgen.

Von Aberdeen aus ging es mit dem Bus durch die Lowlands zu Sueno’s Stone (7 m hohe Steinsteele mit piktischen Kampfszenen) und anschließend zum Cawdor Castle. Im wunderschönen Wald nahe des Schlosses haben wir unsere erste Wanderung bei schönstem Sonnenschein absolviert und entgegen unserer Befürchtungen blieben wir Dank des stetigen starken Windes von den lästigen Midges verschont. Nach einer Besichtigung von Schloss und prächtiger Gartenanlage mit unzähligen emsigen Hummeln und Bienen haben wir eine Nacht in Grantown-on-Spey verbracht. Am nächsten Morgen haben wir in der Glen Ord Destillerie einen eher herben Whiskey gekostet. An der Küste des Moray Firth entlang sind wir auf glitzernden glimmerreichen Gneisen und roten Sandsteinen zum Chanonry Point Lighthouse gewandert und haben mit Blick Richtung Fort George Delphine gesichtet. Danach ging es mit dem Bus auch schon Richtung Ullapool zur Fähre, die uns auf die Äußeren Hebriden – genauer gesagt auf die Isle of Lewis – übergesetzt hat. Zwischen Inverness und Ullapool gab es in den Highlands noch einen Fotostopp am Loch Droma. Zwischen dem Wollgras wurden wir dort kurz von Midges geplagt, so dass wir froh waren, als der Busfahrer die Türen schloss. Die Überfahrt nach Stornoway im Abendlicht war traumhaft und auch hier konnten wir nochmal Delphine beobachten.

Im Hotel in Stornoway sind wir drei Nächte geblieben und haben Tagesausflüge auf Lewis und bis nach Harris unternommen. Zuerst haben wir den Nordzipfel von Lewis erobert und sind über Schafweiden mit duftenden Kräutern und Blumen bis zum Butt of Lewis Lighthouse gewandert. Sanderlinge, Austernfischer, Krähenscharben, Sturmeisvögel und eine Kegelrobbe haben uns entlang weißer Sandstrände mit türkisfarbener Brandung sowie schroffer Steilklippen begleitet. Kurz vor dem eindrucksvollen Leuchtturm hat uns ein ordentlicher Landregen durchweicht. Mama und ich hatten dummerweise in einem unserer früheren Urlaube unsere schwarzen Regenhosen vertauscht: Während ich ihre Größe 34 aus meinem Rucksack fischte, in etwa Kniehöhe stecken blieb und fassungslos überlegte, wann ich so zugelegt hatte, knatterte und flatterte ihr meine Größe 46 im heftigen Wind so wild um die Ohren, dass sie keinen Halt und ebenfalls keinen Einstieg fand. So kamen wir zwei mit nassen Jeans am Bus an und müssen im Nachhinein noch oft über dieses Missgeschick lachen.
Durch die karge Torflandschaft von Lewis fuhr uns der Bus anschließend zu den Callanish Standing Stones – ein beeindruckender Steinkreis, gegen den das viel bekanntere Stonehenge lächerlich klein ist. Der Dun Carloway Broch (eisenzeitlicher Steinturm) und das Museumsdorf The Gearrannan Blackhouses waren weitere kulturelle Stationen an diesem Tag.

Am nächsten Morgen sind wir auf der Isle of Harris durch die Highlands gewandert. Ein kurzer Nieselregen dabei hat uns kaum gestört, aber da die Wiesen noch von früheren Regenfällen versumpft waren, blieb kaum ein Strumpf trocken. Trotzdem waren wir begeistert angesichts der wilden Natur und glücklich nach der gemeisterten Anstrengung. Zur Belohnung sollte es ein Picknick geben, für das unser Reiseleiter morgens eingekauft hatte. Leider wurden wir von dem anvisierten Picknickplatz vertrieben – die Terrasse eines Cafes in Northton konnte von früheren Reisegruppen trotz mitgebrachter Speisen genutzt werden, solange die Getränke im Cafe bestellt wurden. Nun war dies nicht mehr erwünscht und wir genossen stattdessen Brot, schottischen und irischen Käse, frisches Gemüse und schottische Keksspezialitäten direkt am Strand von Northton an der Südwestküste von Harris. Nach der Stärkung sind wir direkt an der Küste gewandert und haben den Basstölpeln bei ihren wilden Sturzflügen ins Meer zugesehen. Mit dem Bus ging es dann die Nordwestküste von Harris entlang Richtung Tarbert zu einer traditionellen Harris-Tweed Manufaktur mit Souvenirladen. Unsere Mitreisenden hatten 20 min Zeit zum Shoppen – und das hat für die eine oder andere nicht ausgereicht. Mama und ich hatten glücklicherweise vorab entschieden, dass Karomuster und kratzige Wollstoffe nicht unserem Stil entsprechen.
Der nächste Tag war der einzige Tag ohne lange Wanderung. Mit dem Bus ging es zum Fähranleger Leverburgh, wo wir nach Berneray übersetzten. Steinerne Fahrdämme verbinden die mittleren Inseln der Äußeren Hebriden, so dass wir gegen Abend nur noch einmal mit der Fähre von Eriskay hinüber nach Barra übersetzen mussten. Auf dem Weg dahin haben wir tagsüber auf North Uist einen archäologischen Grabhügel (Barpa Langais) besichtigt und den malerischen Ort Tobhar Mor auf South Uist, so dass wir insgesamt genug Gelegenheit hatten, uns zu bewegen. Langes Sitzen im Bus ist für uns beide absolut nichts. Auf der Hebrideninsel Barra angekommen, bezogen wir in Castlebay für drei Nächte ein Hotel mit bequemem Boxspring-Bett und Traumaussicht auf Kisimul Castle, welches auf einer kleinen Insel in der Bucht thront.

Die erste Wanderung auf Barra führte uns an die Westküste. Die Seal Bay hielt ihr namentlich gegebenes Versprechen durch zahlreiche sich in der Sonne aalende Seehunde und neugierig heranschwimmende Kegelrobben. Geologisch beeindruckten uns die großen Geschiebe und rundgeschliffenen Granite am steinigen Strand. Weiter ging es über eine Kuhweide und an einem Friedhof vorbei über die Wurzel einer kleinen Landzunge. Mit Blick Richtung Norden auf das Meer machten wir Rast zwischen unzählige Blumen (kleine Primeln, Glockenblumen und viele mehr) und sogar Orchideen blühten auf dieser Landzunge, der wir dann bis zu ihrer Spitze im Westen folgten, um dort nochmal Seehunde zu beobachten. Auf dem Rückweg zum Bus mussten wir erneut die Kuhweide überqueren. Leider wurden die Kühe diesmal sehr unruhig, muhten ungehalten und schoben sich zwischen uns und ihre Kälber. Wir waren froh, als wir den Friedhof und damit den Zaun erreichten. Den Rest des Tages hatten wir freie Zeit. Mama und ich schlenderten den historischen Lehrpfad zur Heringsindustrie in Castlebay entlang, gingen dann in den Supermarkt und besuchten noch die Kirche.

Am nächsten Tag erwanderten wir die Nordspitze von Barra am 2 km langen Sandstrand von Eoligarry. Danach hatten wir einen Fotostopp am Barra Airport mit seinen niedrigwasserabhängigen Start-/Landebahnen mitten auf einer Sandfläche.  Zum Abschluss fuhren wir über einen Fahrdamm auf die südlichste bewohnte Hebrideninsel Vatersay, wo wir uns bei einer langen Wanderung erneut von geologischen Besonderheiten wie kilometerlangen Rissen, Basaltstrukturen und gefalteten Geschieben beeindrucken ließen. Ein Highlight war auch der Beginn der Wanderung bei einer alten Ruine mitten auf einer Kuhweide, wo die Rinder uns durch die Fensteröffnungen des verfallenen Hauses hindurch beobachteten.

Am nächsten Tag nahmen wir die Fähre von Castlebay durch den Sound of Mull an drei wunderschönen Leuchttürmen vorbei nach Oban.  Von dort ging es mit zwei Zwischenstopps am Inverary Castle und am Loch Lomond nach Glasgow. Bei einem Abendspaziergang durch Glasgow mit unserem Reiseleiter erlebten wir einen regelrechten Kulturschock, nachdem wir tagelang nur frische Luft, wenige Menschen, wenig Verkehr und viel Natur um uns hatten.

Das Essen in den Hotels und Restaurants war durchweg hervorragend. Morgens gab es natürlich Porridge und für mich auch mal Eier und Bohnen. Toll war sowohl das Abendbuffet in Stornoway als auch die jeweils zur Auswahl stehenden drei Gerichte mit Suppe und Dessert in Castlebay mit vielen schottischen Spezialitäten. Natürlich haben wir auch Haggis probiert. Studiosus und besonders unseren Reiseleiter können wir uneingeschränkt weiter empfeheln: Die gesamte Organisation und das Fachwissen über diverse Themen wie Botanik, Geologie, Geschichte und auch gegenwärtiges Leben in Schottland waren sehr beeindruckend.